Über mich

Vom Bild zum Wort und wieder zurück

„Neues entsteht nicht durch den Intellekt, sondern durch den Spielinstinkt, der aus innerer Notwendigkeit agiert.“ – C.G. Jung

Das Kleinkind

Meine ersten Versuche mit dem geschriebenen Wort reichen bis ins Vorschulalter zurück. Mit Begeisterung über die neue Ausdrucksmöglichkeit formte ich aus alltäglichen Kindererlebnissen Ketten aus Grossbuchstaben, mit denen ich meine Zeichnungen bestückte. Wort und Bild gehörten für mich damals schon untrennbar zusammen. Die Hauptakteure der Geschichten waren unserem Garten entnommen: Ein Igel, eine Schnecke, ein Salatkopf und ein Springball. Ich hatte einen Heidenspass mit meinem Werk und es kümmerte mich wenig, dass meine Mutter und erste Leserin recht lange brauchte, um die Hieroglyphen zu entziffern. Nach einiger Zeit begriff ich, dass Raum zwischen den einzelnen Worten die Lesbarkeit deutlich verbessert.

Das Schulkind

Das Klein-Buchstabieren habe ich erst in der Grundschule gelernt.
Dort ging es lange Zeit darum, unter wohlmeinender Anleitung, „Rundherum mit Gebrumm“, Kreise zu malen. Ebenso endlose Schleifen, aus denen die Lehrerin später in quälender Langsamkeit Buchstaben entwickelte, die kleinlich in Linien zu zwängen waren. Mir war meist sterbenslangweilig und ich beschäftigte mich beim Abhocken dieser Schulstunden heimlich, still und brav mit selbstgestalteten Bildergeschichten, die ich für ein paar Pfennige an meine Mitschülerinnen verkaufte. Eifrig unternahm die Lehrerin alles, was in ihrer Macht stand, um das wuchernde Kraut meiner Wort- und Bilderwelt möglichst nachhaltig kurz zu halten. Trotzdem schaffte ich den Übertritt ins Gymnasium.

Die Streberin

Hier eröffnete sich mir eine neue sprachliche Freiheit: Der Deutschaufsatz. Mich begeisterten vor allem erzählerische Formen und Schilderungen. Wenn die anderen beim Stichwort Aufsatz stöhnten, war ich wohl das einzige Kind, das innerlich jubelte. Es erfüllte mich mit Stolz, dass ich für meine Texte Zuhörerinnen fand, denn ich durfte sie des Öfteren der Klasse vorlesen. Ein Wehrmutstropfen blieb jedoch meine undisziplinierte Rechtschreibung. Das gleichzeitige Praktizieren von Kreativität und Disziplin war mir trotz aller Anstrengung noch unmöglich. Das trug mir manchmal schlechtere Noten ein. Auch mit sachlichen Texten hatte ich anfangs Mühe. Ich musste meinen kreativen Überschwang bremsen und auf Klarheit achten. Geschadet hat dies meiner Schreibentwicklung nicht.

Der Fratz

Die Pubertätswirren brachten provokative Geschichten, in denen ich mir eigene Wort- und Weltbilder erschrieb. Ich wollte die miefende Dunstglocke der bayerischen Kleinstadt in die Luft jagen, die fiesen, viel zu engen Grenzen sprengen und mit dem Kopf durch die Wand. So schloss ich mich nachts mit filterlosen Kippen und einem toxischen Zauberelixier namens schwarzer Tee in meinem Zimmer ein und schrieb und schrieb mit dem Teufel um die Wette. Der nächtliche Spuk endete jäh, als meine Eltern von der Sache Wind bekamen. Meine aus heutiger Sicht harmlosen Geschichten schlugen tatsächlich ein wie eine Bombe, sie lösten ein längeres pädagogisches Nachbeben aus. Egal, immerhin hatte ich meine Leser erreicht!

Die Sachliche

Später an der Uni beim Studium der Germanistik und der Geschichte stand das sachlich-informative Schreiben im Vordergrund. Hier durfte ich das erste Mal echtes Feedback erfahren: Ich solle keine Essays schreiben. Bereits etwas gereifter, gelang es mir, mich zu disziplinieren. Die Texte wurden präziser und zweckorientierter; intellektuelle Fussnoten entstanden. Die elementare Ausdruckskraft meines Schreibens begann in diesem Umfeld langsam zu verglühen und mit ihr verrauchte auch die Freude daran.
Im Berufsleben war ich trotzdem sehr froh, dass ich mich sachlich korrekt und ohne „Denk- Flausen“ und „Wort-Spirenzchen“ ausdrücken konnte, schliesslich arbeitete ich in einem Buchverlag und musste dort von der Konvention diktierte Geschäftsbriefe schreiben. Dafür nagte das ungute Gefühl, ich hätte den eigenen Stil verloren. Mir fehlte damals etwas sehr Persönliches.

Die Pädagogin

Dreimal, dicht hintereinander wurde ich Mutter, während ich in meiner Wahlheimat Schweiz das Studium zum Höheren Lehramt in Deutsch und Geschichte abschloss. Sehr schnell geriet ich zwischen zwei Mühlsteine: Moderne Pädagogik und deren Umsetzbarkeit im Schulsystem. Liebevolles Fördern der heranwachsenden, jugendlichen Gestaltungsfreude und behutsames Spiegeln von individuellem Sprachausdruck liess sich für mich überhaupt nicht mit dem herrschenden Prinzip der Auslese und dem Schreinern von Richtig-Falsch-Schubladen verbinden. Der Versuch, meinen Schülerinnen kreativen Freiraum im Fach Deutsch zu ermöglichen, stellte mich vor eine schier nicht zu bewältigende Arbeitsbelastung.

Die Mama Kreativa

Ich beschloss, mich meinem eigenen Nachwuchs zu widmen und erlebte mit sorgenvollem Stolz die Entwicklung eines urwüchsigen Gestaltungsdrangs, von den ersten selbstgezettelten Hieroglyphen bis hin zum schulischen Selektionsaufsatz. Mir wurde klar, dass kindliche Kreativität etwas Unverwüstliches an sich hat und durchs Leben tragen kann, wenn der Zugang dazu als Ressource erhalten bleibt. Ich nutzte jedes freie Quäntchen Zeit, um im Rahmen der Ausbildung zur psychologischen Beraterin meine eigenen Schreib- und Lebenserfahrungen aufzuarbeiten. Das war mein Glück, denn ich stiess dabei auf die heilende Kraft des Schreibens. Behutsam öffnete sich für mich die Türe zu einem neuen Raum.

Die Zauberwort-Künstlerin

Dieser kreative Raum vergrösserte sich beträchtlich, als ich mich intensiv und autodidaktisch mit dem Malen beschäftigte. Über Formen, Farben und Materialien fand ich endlich, endlich zu meiner Quelle zurück, die seitdem reichlich sprudelt und mich mit Ideen und gestalterischer Energie versorgt. An die fünfzig Zauberwortbilder in immer grösseren Formaten entstanden. Die ursprüngliche Wort-Bild-Verknüpfung meiner Kinderwelt bildet ihr gemeinsames künstlerisches Thema. Der Leser verschmilzt hier mit dem Betrachter. Ich schrieb dazu eine Reihe von Texten mit fantastischer, sprachlicher Bildlichkeit. Als Höhepunkt erschuf ich schliesslich meine dreizehn Musen und entwickelte mit dem Musenstellen ein psychologisches Schreibkonzept, um andere Menschen zur heilenden Kraft des Schreibens zu führen. Ich möchte inspirieren, meine Kreativität teilen und weitergeben.

Kornelia Reichart

Geboren 1972 in Augsburg
Magister Artium Germanistik und Geschichte
Diplom Höheres Lehramt Mittelschulen
Diplom Psychologische Gesprächsführung
Verheiratet mit Dipl.-Ing. Karsten Reichart
Mutter von drei Kindern